Soziale BetreuungsGesmbH Wohnheim Sonnenhof
Soziale BetreuungsGesmbH Wohnheim Sonnenhof

Tiergestützte Pädagogik im Sonnenhof

 

 

 

 

 I. Was ist tiergestützte Pädagogik (TGP)?

 

Die tiergestützte Pädagogik kann als eine Maßnahme verstanden werden, in der meist Kinder und Jugendliche (sie ist aber auch mit Erwachsenen und älteren Menschen möglich), mit Hilfe eines Tieres, wie z.B. einem Hund, positiv in ihrer emotionalen sowie sozialen Entwicklung beeinflusst werden und Lernfortschritte erzielen können.

Hauptziel dieser Form der tiergestützten Intervention ist die Unterstützung und Anregung von Entwicklungs- und die Initiierung von Lernprozessen, mit Hilfe des Mediums Tier.

 

TGP unterstützt den Lern- oder Trainingsprozess durch gezielten Tiereinsatz im pädagogischen Setting. Besondere Beachtung finden hier. Bereiche, in denen die Präsenz oder der Einsatz von Tieren besonders förderlich ist, wie z.B. in der Sozialentwicklung. Hierbei wird das Tier entweder direkt als Lernsubjekt eingesetzt, oder es erleichtert den pädagogischen Prozess und den Aufbau einer pädagogischen Beziehung.

 

Die speziellen kognitiven, sensomotorischen oder psychosozialen Fähigkeiten und Fertigkeiten, welche durch die TGP gefördert, weiter ausgebildet und unterstützt werden sollen, sind z.B. der Erwerb von mehr Selbstsicherheit, Eigen- bzw. Selbstständigkeit beim Klienten, initiiert über den verantwortungsbewussten Umgang und die Versorgung des Tieres. Auch die Motorik kann durch gezielte Spiele und gemeinsame Bewegungen mit dem Tier und dem richtigen Führen eines Hundes an der Leine verbessert werden. Tiere sollen auch die Kommunikation zwischen Kindern fördern und Erlebtes mit dem Tier kann zu regem Gesprächsstoff, innerhalb von Gruppen oder Familien, werden. Gerade Kindern, Jugendlichen in schwierigen pubertären Phasen, aber auch Personen jeden Alters, die z.B. schwere Schicksalsschläge hinter sich haben, kann die emotionale und körperliche Zuwendung durch ein Tier helfen, neues Selbstbewusstsein aufzubauen, sich geliebt zu fühlen und durch die positiven Reaktionen, z.B. eines Hundes, bezogen auf menschliche Handlungen Selbstwirksamkeit zu erfahren. Tierkontakte insgesamt können Menschen behilflich sein, negativen Entwicklungsfaktoren, wie z.B. einem sozialen Rückzug nach einem schlimmen Lebensereignis, wie einem Unfall oder intra- und interpersonellen Spannungen entgegen zu wirken. Ebenso hemmen sie eine psychosoziale Verkümmerung beim Menschen durch die aktivierende Beschäftigung mit dem tierischen Freund.

 

Kontakte mit Tieren können für ein Kind in verschiedenen Lebenssituationen eine soziale und emotionale Stütze sein, indem z.B. ein Hund bei Schulproblemen oder bei Auseinandersetzung mit Mitmenschen als ein zuverlässiger und treuer Freund wahrgenommen wird. Im Streicheln und Spiel, z.B. mit einem Hund in der TGP Arbeit, kann gezielt das natürliche Bedürfnis eines Kindes nach Berührung, Schutz und Zärtlichkeit befriedigt werden.

 

Es lernt z.B. bei einer Spielstunde mit dem Tier, die Verhaltensweisen und natürlichen artgerechten Grenzen von ihm kennen und wird automatisch durch das Tier und durch angeregte Reflexionsprozesse durch den Pädagogen angehalten, die Grenzen des Tieres zu akzeptieren und es so zu nehmen wie es ist.

 

 

 Konzept

 

Pädagogin Marcella Leser

Hund Janis

 

Betreut durch learning by dogging, Yvonne Frey

(www.learningbydogging.at; 2560 Grillenberg, Florianigasse 32 / 2)

 

 

Im Rahmen der Erlebnispädagogik soll den Kindern der Einrichtung eine weitere Möglichkeit geboten werden, sie in ihrer direkten Umgebung zu unterstützen.

 

Vorteile des anwesenden Hundes

*) immer verfügbar

*) kann spontan eingesetzt werden und so auf die Erfahrungen und Bedürfnisse der

   Kinder abgestimmt zum Einsatz gebracht werden

*) die Kinder können eine Beziehung zum Tier aufbauen

*) die Kinder werden gestärkt weil sie sich als Versorger des Tieres erleben. Sie

   haben Gelegenheit, sich an der Erziehung des Hundes zu beteiligen. Sie erleben

   eine Umkehrung ihrer persönlichen Lebenssituation, die sie im Selbstbewusstsein

   stärkt.

*) Kindern mit Verhaltensschwierigkeiten kann durch die zielgerichtete Begegnung

   mit dem Tier geholfen werden.

*) Sehr ruhigen, schüchternen Kindern kann das Tier zu mehr Sicherheit verhelfen,

   da es Kommandos nur dann befolgt, wenn diese mit Bestimmtheit ausgesprochen

   werden

 

Voraussetzung für die Durchführung

 

_ Tierschutz – Ruhezeiten Hund

 

_ Hygienevorschriften TBDeV

 

_ Ausbildungsplan Marcella und Hund

 

_ Begleitung durch lbd

 

_ Information an alle Eltern und DSAs

 

_ Abklärung Allergien, Unverträglichkeiten, Ängste

 

_ Haftpflichtversicherung

 

_ Leitlinien führt den Einsatz des Pädagogikbegleithundes

 

 

III.Die Pädagogin

 

Ich heiße Marcella Leser, bin 28 Jahre alt und seit August 2009 als Sozialpädagogin tätig. Meine Ausbildung zur Sozialpädagogin habe ich im Basop St. Pölten absolviert.

 

Mein Leben sind Kinder und Tiere, schon als ich noch jünger war wusste ich das. Ich liebe meine Arbeit mit den Kindern und privat sind meine Tiere, mein liebstes Hobby. Ich habe 4 Katzen, 1 Kaninchen, Pferde (mein Vater betreibt eine Sportpferdezucht im Burgenland) und mittlerweile auch einen Hund, der mir große Freude bereitet.

Schon lange hege ich den Wunsch die Begriffe Kinder & Tiere zu verbinden/vereinen und deshalb habe ich mir Gedanken darüber gemacht in diese Richtung irgendwas zu starten. Seit Janis mein Leben bereichert, hat mich Yvonne Frey auf die super Idee gebracht ich solle doch einfach die Ausbildung auf der M.I.T.T.T. (Münsteraner Institut für therapeutische Fortbildung und tiergestützte Therapie) in Deutschland machen. (Infozetteln im Anhang des Konzepts)

Dies haben sich Janis und ich nun zum Ziel gesetzt!

 

 

IV. Der Hund

 

Janis ist ein 5 Monate junges Welpenmädchen mit brauner Fellfarbe und komplett schwarzer Schnauze. Der Vierbeiner ist ein Mischlingshund und wurde im Burgenland geboren. Die Kleine wurde von mir schon sehr gut sozialisiert und besucht im Moment den Welpenkurs in Enzesfeld, wo sie keinerlei Auffälligkeiten und ein ausgeglichenes Sozialverhalten zeigt. Sie ist sehr wissbegierig und liebt es neue Kommandos, Tricks,… zu lernen.

Janis spielt am liebsten mit Katzen und auch anderen Hunden. Ihr bester Freund und Spielgefährte ist Lucky, mein 5 Monate junger schwarzer Kater.

Auch Kinder liebt sie heiß. Janis ist bereits an sie gewohnt und geht sehr liebevoll mit ihnen um.

Wenn sie mal müde wird von dem ganzen Trubel sucht sie sich am liebsten ein außergewöhnliches kuscheliges Plätzchen. Da kann es dann auch sein, dass sie dort ein paar Stunden verweilt, da ja bekanntlich junge Hunde wie auch kleine Kinder noch viel Schlaf brauchen.

 

 

V. Theorie und Praxis der hundegestützten Pädagogik

 

a) Hunde fördern unsere Sensibilität

 

Kindliche Heimtierhalter erzielen bessere Leistungen in der nonverbalen Kommunikation als Gleichaltrige, die kein Haustier besitzen. Insbesondere die Partnerschaft mit dem Hund sensibilisiert für den Nächsten.

Der Karlsruher Pädagoge und Theologe Gotthard M. Teutsch sieht das Mitgefühl des Kindes dem Vierbeiner gegenüber als Wurzel mitmenschlichen Verhaltens.

Die Liebe zum Tier führt zur Liebe zum Mitmenschen.

 

Was bedeutet dies für die hundegestützte Pädagogik?

„Verhaltensauffällige“ Kinder/Jugendliche treten oft rücksichtslos und unbeherrscht auf. Dadurch erleben sie zu selten, dass liebevolles Verhalten positive Reaktionen hervorruft. Genau dies aber würde sie zu neuen „sozialen Versuchen“ ermutigen. In der Interaktion mit dem Tier werden die eigenen Möglichkeiten zu Empathie lebendig: Selbst dissoziale Kinder/Jugendliche berühren liebevoll; sie sprechen leiser, langsamer und in höherer Stimmlage als in anderen Situationen.

 

 

b) Streicheln tut gut

 

Körperkontakt mit einem Hund beruhigt. Da der Vierbeiner seine Bedürfnisse auslebt, fühlen auch wir uns frei, unsere Sehnsucht nach Geborgenheit und Stille auszudrücken.

Die Aufzeichnung der physiologischen Reaktionen des Menschen belegt: Beim Streicheln des Vierbeiners sinkt der Blutdruck, die Herzschlagfrequenz wird erhöht, sogar Menschen mit spastischen Lähmungen entspannen.

 

Was bedeutet dies für die hundegestützte Pädagogik?

Kinder und Jugendliche erleben zu selten: Es tut mir gut, schwach zu sein, Berührung anzunehmen, zur Ruhe zu kommen, insbesondere „schwierige“ Kinder haben dadurch zu wenig Zugang zu ihren Bedürfnissen. Gerade dann, wenn sie Zuneigung am meisten bräuchten, ziehen sie sich zurück.

 

Man führt das Kind über den Körperkontakt mit dem Hund zur Ruhe und macht den Wert von Stille und Berührung erlebbar.

 

 

c) Ein Hund für besseres Klima

 

Ein Hund bringt zum Lachen und verbessert die Stimmung. Studien bestätigen, dass bei gedrückter Atmosphäre ein Tier die Spirale negativer Gedanken durchbrechen kann, indem es die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Insbesondere das gemeinsame Spiel beschert Glücksgefühle.

 

Positive Auswirkungen der Integration meines Hundes Janis

àDie Stimmung der KollegInnen an den Hundebesuchstagen änderte sich schlagartig. Es ist

immer eine Freude dies zu beobachten, denn Janis zauberte immer ein Lächeln in ihre Gesichter

und auch ihre Stimmlage veränderte sich.

à Die Kindeseltern einiger Klienten zeigten große Freude, wenn sie an den Hundebesuchstagen ihr

Kind abholten oder retour brachten. Diese suchten gleich den Kontakt zum Hund. Sie waren

offener und man hatte sofort ein Thema worüber

man miteinander plaudern konnte.

 

Janis lockert die Stimmung im Wohnheim komplett auf. Insbesondere an Tagen, an welchen die Kinder traurig und in sich gekehrt wirken, verbessert die Anwesenheit von Janis die Atmosphäre.

Als ein Kind traurig war, weil es seine Mutter vermisste, durchbrach der Vierbeiner die Traurigkeit des Kindes.

 

Bei einem bestimmten Mädchen auf meiner Gruppe merkt man auf den ersten Blick, dass Hund und Kind sich gegenseitig anziehen. Janis liebt es mit diesem Kind zu kuscheln, zu spielen, sie lässt sich einfach alles von ihr gefallen.

Der Welpe hat es sogar geschafft, dass ein Junge der Angst hatte vor Tieren, von sich aus Annäherungsversuche macht, ihn streichelt und akzeptiert. Jetzt spielen sie auch schon miteinander und er liebt es mit Janis an der Leine spazieren zu gehen.

 

 

d) Ein Hund für mehr Frustrationstoleranz und Kritikfähigkeit

 

Ein Hund macht spürbar: Ich nehme dich an. Unabhängig davon, wer und was wir sind, vermittelt das Tier emotionale Wärme und bedingungslose Akzeptanz.

 

Beispiel:

Durch das Bürsten des Tieres kommt das Kind zur Ruhe; der Hund macht ganzheitlich spürbar: Du tust mir gut. Man setzt sich dann neben das Kind auf den Boden – berührt das Kind und spricht über seine Schwierigkeiten in der Gemeinschaft.

 

Viele Kinder tun sich schwer damit, im Spiel zu verlieren.

Das Ausgeschiedensein verletzt, weil es als persönlicher Angriff empfunden wird. Man lässt die Kinder im spielerischen Tun mit dem Hund den Umgang mit Rückschlägen üben! Die bedingungslose Annahme des Tieres macht auch das „Versagen“ aushaltbar.

 

 

e) Ein Hund für die Gemeinschaft

 

Die Wissenschaft bestätigt: Die besten Freunde des Menschen sind „soziale Katalysatoren“ und schaffen Beziehungen. Selbst innerhalb einer Kindergruppe knüpfen Kinder mit einem Heimtier leichter mit anderen Kindern Kontakte.

2001 beobachtete B. Ortbauer das Sozialverhalten sechsjähriger Kinder ohne Haustier, die in ihrer Klasse regelmäßig Kontakt zu Hunden hatten. Soziale Beziehungen und gemeinsame Aktivitäten der SchülerInnen nahmen in ihrer Häufigkeit zu; vor allem in sich gekehrte Kinder brachten sich aktiver in das soziale Geschehen ein.

 

Die „katalysatorische“ Wirkung des Hundes hat gute Gründe: Zum einen liefert der Vierbeiner zwanglos Gesprächsstoff; zum zweiten wirkt eine Person in Hundebegleitung sympathisch und sozial attraktiv: Menschen auf einer Fotografie werden von anderen positiver beurteilt, wenn sie in Gesellschaft eines Tieres abgelichtet sind. Die Gegenwart des Vierbeiners schenkt einen Sympathiebonus.

 

 

f) Die Arbeit mit „aggressiven“ und „hyperaktiven“ Kindern

 

-„Aggressive“ Kinder müssen häufig erst lernen, Zuneigung anzunehmen.

In ruhiger Atmosphäre die Möglichkeit bieten, Berührung als etwas Positives zu erleben.

-Dem Kind über den Körperkontakt mit dem Hund Zugänge zu den eigenen

Bedürfnissen eröffnen.

-Die Berührung mit hohem Maß an Sensibilität anbahnen.

-Dem Kind die Chance geben seine weiche Seite zu zeigen!

-Dem Kind seine Verantwortung für das eigene Verhalten bewusst machen, indem man die nonverbalen Botschaften des Hundes kommentiert (zB Jetzt möchte Janis nicht mehr mit dir spielen, weil du zu grob zu ihr warst.)

-Mit dem Kind das Zur-Ruhe-kommen üben, indem man eine leise Sprache wählt und versucht, Momente der Stille auszuhalten.